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Vox

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Vox


von Christina Dalcher


In der Zukunft hast du keine Stimme mehr! (wenn du eine Frau bist)

Eine thematisch anspruchsvolle All-Age-Dystopie die ein breites Zielpublikum haben wird. Auch wenn viele verwendete Ideen nicht neu sind, aber selten so konsequent weitergedacht und erzählt wurden.


Zum Inhalt:

Zugrunde liegt dem Roman eine Gesellschaft, in der die Männer, Zug um Zug, Jahr um Jahr, die Freiheit und Selbstbestimmung von Frauen immer mehr eingeschränkt haben.

Es fing an im Alltag, mit einer Propaganda, die die Zeit wieder zurückbringen sollte indem die Rollenverteilungen noch klar waren und der Mann uneingeschränkt "Herr" im Hause war. Frauen wurden wieder auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert - was nicht von allen Frauen als negativ gesehen wurde. Vermutlich hätte der ganze Prozess noch gestoppt werden können, hätten es nicht auch viele Frauen gegeben, denen die Unterordnung unter den Mann als Entlastung willkommen war und die die Ideen religiös legitimiert sahen.

Die Hauptprotagonisten des Romans sind Jean, die vor dem Berufsverbot zu den fähigsten Biotechnoligie-Wissenschaftlerinnen gehörte, und ihre Familie, sowie ihr früheres wissenschenschaftliches Team. Jean muss jeden Tag sehen, wie ihre Söhne, vor allem ihr ältester Sohn, alle Rechte haben, ja über ihrer Mutter stehen, und sie und ihre Tochter auf willenlose funktionierende Erfüllungsgehifinnen reduziert werden. Ihre Tochter und alle Mädchen erhalten nur noch eine rudimentäre Schulbildung, Hauswirtschaft, Kochen lernen, ein bißchen Basteln und Malen, rudimentäre Rechen- und Schreibfertigkeiten, damit die Haushaltsführung später bewältigt werden kann. Doch es geht noch weiter. Da es auch im Klappentext erwähnt wird und der Titel "Vox" es impliziert, es ist den Frauen unter Androhung von Stromschlägen nur erlaubt 100 Worte pro Tag zu sprechen. Auch Flüstern, Zeichensprache, schriftliche Nachrichten etc. fallen unter diese Vorschrift. Doch ist das das Ende? Was haben die Männer an der Spitze und die Bewegung der "Reinen" für die Zukunft (der Frauen) geplant. Da Jean als Wissenschaftlerin über Spezialkenntnisse verfügt, wird sie für die Regierung interessant und die Frage stellt sich ob sie im Tausch für ihre persönliche Freiheit, die ihrer Tochter und des (vielleicht weiblichen) ungeborenen Kindes dem System bei ihren undurchsichtigen Plänen hilft.

Fazit:
Einige Ideen sind so gut, dass ich es schade finde, dass diese zu wenig ausgearbeitet wurden. Ja, niemand will mehr Trilogien, aber bei soviel Erzählstoff hätte die Autorin, die Lektorin/der Lektor und der Verlag dies so anlegen sollen. Vor allem der Schlussteil leidet darunter. Er hat, zumindest bei mir, den Eindruck hinterlassen, dass die Autorin jetzt ganz schnell zum Ende kommen wollte/musste, oder um es hart zu sagen, keine Lust mehr hatte. Und dass ist jammerschade.
Was bleibt ist ein Plot, den man nicht so schnell vergisst, der Bilder im Kopf erzeugt und das ist schon ganz schön viell für einen dystopischen Roman!

S. Fischer Verlag, 395 S., gebunden EUR 20.-