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Liberty 9 Sicherheitszone

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Liberty 9 Sicherheitszone


von Rainer M. Schröder


Rainer M. Schröder schreibt eine Dystopie? Da musste ich auch zweimal hinschauen. Rainer M. Schröder hat sich schon mit vielen historischen Jugendromanen und Abenteuergeschichten einen Namen gemacht. Jetzt hat er das Genre gewechselt. Ich war gespannt und muss sagen, es ist ihm nicht schlecht gelungen. Allerdings ist er nicht der erste der diesen Stoff literarisch bearbeitet und dieser Stoff, auf den ich noch näher eingehen werde, wurde sehr stark inspiriert von den utopischen Romanen und Filmen der 70er Jahre.
Schauplatz der Ereignisse ist eine Sicherheitszone, in der eine Elite von Jugendliche auf einen gefährlichen, patriotisch wichtigen Auftrag hin erzogen und unterrichtet wird. Ein strenges Verbots- und Sanktionswerk regelt das Leben, alles ist minutiös geplant, die Jugendlichen ordnen sich widerspruchslos der großen Aufgabe unter. Bis ein kleines Samenkorn Zweifel, gestreut von dem Sklaven, Dante, anfängt zu keimen. Was passiert mit den Jugendlichen, die für die große Aufgabe weggebracht werden? Und gibt es überhaupt eine äußere Bedrohung? Kendira und ihre Freunde wollen der Sache auf den Grund gehen und sehen sich in ihrem Verdacht bestätigt. Ihnen gelingt die Flucht. Doch was wird mit allen Anderen?
Zweifellos spannend geschrieben. Der Widerstands- und Auflehnungsprozess hätte meiner Meinung nach nachvollziehbarer gestaltet werden können. Und als Kind der 60er Jahre, die ich sowohl die utopische Literatur als auch das Kino der 70er Jahre sehr gut kenne, gab es mir da doch etwas zu viele Anlehnungen, die munter miteinander kombiniert werden. Da wären der Film "Flucht ins 23. Jahrhundert", der auch das Leben in einer Enklave schildert, in der im Alter von 30 die Lebensuhr abläuft, was bedeutet, dass man zur (scheinbaren) Erneuerung ein Karusell besteigen muss. Einige leisten passiven Widerstand, gehen in den Unergrund und Einigen gelingt es auch aus der Sicherheitszone zu fliehen. Legendär die Szene als den Protagonisten der Ausbruch gelingt und sie in Sir Peter Ustinov den ersten alten Menschen treffen. Wer den Film kennt, weiß wovon ich spreche. Zweite Anleihe: Eine fast humoristische Einlage: auf dem Marktplatz von Liberty 9 werden gefährliche Schriften verbrannt unter anderem "Fahrenheit 451". Dritte Anleihe: Bei Widerstand gegen das System werden die unreinen Gedanken ausgelöscht mit einer Methode die wir aus "Brazil" kennen. Die Verurteilten bekommen eine Metallhaube aufgesetzt, danach sind sie nicht mehr sie selbst, entrückt, verrückt. Das mag mal genügen. Wobei ich nicht ganz verstehe, ob der Autor diese Anleihen mit einem schmunzelnden Auge vorgenommen hat, oder ob er diese Auswirkungen eines totalitären, faschistischen Systems, den jugendlichen Leserinnen und Lesern näherbringen wollte, in dem er sie in einen erzählerisch spannenden Zusammenhang gebracht hat.
So ganz nachvollziehbar fand ich auch nicht, warum "die Bibel" als staatsgefährdendes Schrifttum eine so große Rolle spielt.
Also vielleicht lieber zu den Klassikern greifen?
- Brave New World
- 1984
- Fahrenheit 451
- oder den Film "Flucht ins 23. Jahrhundert" ansehen. Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob dieser handwerklich heute noch überzeugt.
Wer gerne Dystopien liest wird auch dieses Buch gerne lesen, allerdings kein "Book for all Age". Wirklich für Jugendliche 14+

cbj, 490 S., gebunden EUR 18,99. Als TB EUR 8,99 Jeweils nur Restexemplare.

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