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Preis der Leipziger Buchmesse 2022

 

 Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2022:

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Tomer Gardi: "Eine runde Sache", zur Hälfte übersetzt aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer
(Literaturverlag Droschl)


Über das Buch

In "Eine runde Sache" reisen zwei Künstler durch sprachliche und kulturelle Räume. Fremdheitserfahrungen, Identität und das Leben als Künstler sind die Themen des Romans, in dem sich die beiden Handlungsstränge gegenseitig spiegeln. Zuerst schickt sich Tomer Gardi selbst, auf Deutsch verfasst, als literarische Figur mit einem Deutschen Schäferhund und dem Elfen- oder gar Erlkönig an seiner Seite auf eine surreal-abenteuerliche Odyssee. Im zweiten Teil, einem aus dem Hebräischen übersetzten historischen Roman, folgen wir dem im 19. Jahrhundert lebenden indonesischen Maler Raden Saleh von Java durch Europa und zurück nach Asien.

Zur Begründung der Jury

Tomer Gardis Buch ist keine "Runde Sache". Erst wird ein jüdischer Autor durch einen deutschen Wald gejagt. Dann wird das Leben von Raden Saleh erzählt. In unterschiedlichen, subtil aufeinander bezogenen Stilen und Genres geht es um die Frage der Freiheit. Ein Feuerwerk!
Über den Autor

Tomer Gardi, geboren 1974 in Galiläa, lebt in Berlin. 2016 erschien sein Roman BROKEN GERMAN, 2019 SONST KRIEGEN SIE IHR GELD ZURÜCK (beide im Literaturverlag Droschl). BROKEN GERMAN erhielt als Hörspieladaption 2017 den Deutschen Hörspielpreis, das Hörspiel DIE FEUERBRINGER – EINE SCHLAGER-OPERETTA wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Februar 2018 gewählt.
Leseprobe

Ich bin ein gieriger Mensch, eine Person mit starke Bedürfnisse, und nach der Eröffnungsabend des Theater Festivals wollte ich folgendes: Bier, Brot, Zigarette. Ich war eine die Ersten die aus der Theater Saal kammen, und der Erste bei der Buffet. In meiner Hand hatte ich schon meine Feuerzeug und eine Zigarette. Von der Buffet habe ich zwei belegte Brotte genommen. Dann ging ich zum Bar, kriegte ein großes Bier, und das wars. Ich war dann bereit raus zu gehen, wo ich in ruhe trinken und essen und rauchen könnte.
Ich hatte dann aber auch, klarerweise, meine Hände ganz voll, und nach zwei Schritte von Bar richtung Ausgang rutschte ein Stück Salzgürke von meiner Brot auf dem Boden. Ich habe entschieden diese kleine Unglück zu ignorieren und machte zwei oder drei Schritte weiter, als hinter mich hörte ich ein Schrei, ein Stürz, ein Knall.
Erschroken, drehte ich mich um, zu sehen was loss war. Am Boden lag der Intendant, auf meiner Salzgürke ausgerutscht. In einer Hand hatte er seine verletzte rechte Knie. Seine Gesicht war krum von Schmerz. Mit seiner andere Hand hat er seiner Stirn und rechte Auge berührt, leichte Berührungen, mit seine Fingerspitze, als ob er von seinem Fall Blind geworden ist, und versuchte jetzt seiner Gesicht neu kennenzulernen. Das rechte Seite seiner Gesicht war Rot. Morgen wird die Auge ganz blau. Übermorgen eine komische Grün. Dann eine hässlichen Gelb. Der arme Intendant.

Droschl, 256 S., EUR 23.--

 

es waren außerdem nominiert:
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Dietmar Dath: "Gentzen oder: Betrunken aufräumen. Kalkülroman" (Matthes & Seitz Berlin)


Über das Buch

Der Logiker Gerhard Gentzen zählte zu den genialsten seines Fachs. Doch wer kennt ihn noch? Dietmar Dath macht sich in diesem mitreißenden Roman mit Laura und Jan auf die Suche nach jemandem, an den sie sich nicht mehr erinnern. Der Leser betritt einen Denkraum, in dem nicht nur Gentzen aufritt, sondern auch noch ganz andere Figuren: Dietmar, der seit zehn Jahren an einem Roman über einen berühmten Logiker schreibt, aber auch Frank Schirrmacher, der sich den Kopf über das Internet zerbricht, Jeff Bezos, Ruth Garrett Millikan, eine schiefe Tante und ein geheimnisvolles Wesen, das das Leben auf der Erde erheblich in Gefahr bringen wird.
Zur Begründung der Jury

Aus der spannenden Suche nach dem Erbe des Mathematikers Gentzen entwickelt Dietmar Dath ein großes Panorama unserer Gegenwart zwischen Autofiktion und Science Fiction. Sein »Kalkülroman« fragt eindringlich: Wie können wir denken und was sollen wir tun?
Über den Autor

Dietmar Dath, 1970 in Rheinfelden geboren, ist Autor, Journalist und Übersetzer. Spätestens seit dem Roman DIE ABSCHAFFUNG DER ARTEN (Suhrkamp, 2008) ist er einem großen Publikum bekannt. Er veröffentlichte etliche Romane, außerdem Bücher und Essays zu wissenschaftlichen, ästhetischen und politischen Themen, Theater- und Hörstücke sowie Lyrik. Zuletzt wurde er mit dem Reinhold-Schneider-Preis 2020 ausgezeichnet.

Matthes &Seitz, 604 S., EUR 26.--

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Heike Geißler: "Die Woche" (Suhrkamp Verlag)

Über das Buch

"Politik, Europa, Gegenwart, Alltag, das kann einem ja nun keiner erzählen, dass das keine Auswirkungen hat", ruft die Erzählerin ihrer Freundin Constanze zu. Zusammen sind sie die proletarischen Prinzessinnen – "Prinzessinnen, wie sie nicht in jedem Buche stehen. Aber wartet nur, wir schreiben uns in die Bücher hinein". Zusammen wollen sie Widerstand leisten, eine Revolte anzetteln, die alten Märchen überschreiben. Denn etwas ist aus den Fugen geraten und alte Sicherheiten gehen verloren. Höchste Zeit also, für radikalen und klugen Protest, Spaß und Lebendigkeit jedwede Ohnmacht zu überwinden.
Zur Begründung der Jury

Immer wieder ist Montag in der Woche von Heike Geißlers Protagonistin und damit Auftakt des familiären Alltags sowie zugleich der Tag der Legida-Aufmärsche und Gegendemos am Handlungsort Leipzig. Wenn politisch engagierte Literatur so viel Witz hat, ist das ein Glück.
Über die Autorin

Heike Geißler, 1977 in Riesa geboren, ist Autorin, Übersetzerin und Mitherausgeberin der Heftreihe „Lücken kann man lesen“. 2002 erschien ihr Debütroman ROSA, 2007 NICHTS, WAS TRAGISCH WÄRE (beide DVA) sowie 2014 der Roman SAISONARBEIT bei Spector Books, der in etliche Sprachen übersetzt wurde. Heike Geißler wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet und lebt in Leipzig.

Suhrkamp, 316 S., EUR 24.--

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Emine Sevgi Özdamar: "Ein von Schatten begrenzter Raum" (Suhrkamp Verlag)

Über das Buch

Nach dem Putsch 1971 hält das Militär nicht nur das Leben, sondern auch die Träume der Menschen in der Türkei gefangen. Künstler:innen und Intellektuelle fürchten um ihre Existenz; auch die Erzählerin, die aus Istanbul nach Europa flieht. Im Gepäck: der Wunsch, Schauspielerin zu werden, und das Verlangen, den kulturellen Reichtum ihres Landes andernorts bekannt zu machen, ohne sich auf die Herkunft beschränken zu lassen. Und dort, inmitten des geteilten Berlin und in Paris, im Zwiegespräch mit Dichtern und Denkern, findet sie sich schließlich wieder in der »Pause der Hölle«, in der Kunst, Politik und Leben uneingeschränkt vereinbar scheinen.
Zur Begründung der Jury

Vom Osmanischen Reich über die deutsche und Pariser Theaterszene bis in die Gegenwart spannt Emine Sevgi Özdamar einen großen Bogen. Ihr Roman verdichtet die Erfahrungen einer europäischen Grenzgängerin zu einem poetischen und formalästhetischen Gedächtnisraum.
Über die Autorin

Emine Sevgi Özdamar wuchs in Istanbul auf, wo sie die Schauspielschule besuchte. Mitte der 70er-Jahre ging sie nach Berlin und Paris, arbeitete u.a. mit den Regisseuren Benno Besson, Matthias Langhoff sowie Claus Peymann und übernahm zahlreiche Filmrollen. Seit 1982 ist sie freie Schriftstellerin. Sie hat mehrfach ausgezeichnete Theaterstücke, Romane und Erzählungen verfasst, ihre Romane wurden in 12 Sprachen übersetzt.

Surhkamp, 763 S., EUR 28.--

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Katerina Poladjan: "Zukunftsmusik" (S. Fischer Verlag)

Über das Buch

ZUKUNFTSMUSIK erzählt elegant von vier Generationen von Frauen, die in der sibirischen Weite, tausende Werst östlich von Moskau in einer Komunnalka auf engstem Raum zusammenleben: Großmutter, Mutter, Tochter und Enkelin unter dem bröckelnden Putz einer vergangenen Zeit. Es ist der 11. März 1985, Beginn einer Zeitenwende, von der noch niemand etwas ahnt. Alle gehen ihrem Alltag nach; Warwara hilft einem Kind auf die Welt, Maria träumt von der Liebe, Janka will am Abend in der Küche ein Konzert geben, der Ingenieur Matwej von nebenan versucht, sein Leben in Kästchen zu sortieren.
Zur Begründung der Jury

Katerina Poladjans kammerspielartiger Roman kommt leicht daher, entwirft aber äußerst geistreich in der Kulisse russischer Weltliteratur kluge Psychogramme und die humorvolle und scharfsinnige Analyse einer Zeitenwende.
Über die Autorin

Katerina Poladjan wurde in Moskau geboren und lebt heute in Berlin. Sie schreibt Theatertexte und Essays. Auf ihr Prosadebüt IN EINER NACHT, WOANDERS (Rowohlt, 2011) folgte 2015 VIELLEICHT MARSEILLE und der gemeinsam mit Henning Fritsch verfasste literarische Reisebericht HINTER SIBIRIEN (letztere bei Rowohlt Berlin). 2019 erschien HIER SIND LÖWEN (S. Fischer), für den sie 2021 den Nelly-Sachs-Preis erhielt.

S.Fischer, 192 S., EUR 22.--

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