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Tribute von Panem X

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Die Tribute von Panem X


von Suzanne Collins

Das Lied von Vogel und Schlange

Das große Geheimnis um den neuen Band wird erst zum weltweiten Erstverkaufstag gelüftet. Jetzt ist es so weit! Meine Meinung: Absolut lesenswert!

Ein Fest für alle (jungen) Erwachsene, vor allem die, die die Trilogie "Die Tribute von Panem" nicht kennen, und mit diesem Band starten dürfen. Da kommt bei mir fast Neid auf, denn wenn man die Trilogie schon kennt, weiß man natürlich wie das "Prequel" endet. Für alle, die noch ohne Vorkenntnisse an die Geschichte herangehen können, bitte nicht weiterlesen! Spoileralarm.

Für alle anderen:
Zur Erinnerung: Die Roman-Trilogie "Die Tribute von Panem" (engl. Hunger Games) spielt in der Zukunft – im Gebiet der heutigen USA. Nordamerika ist zerstört, Naturkatastrophen haben gewütet, das Land ist zu zu großen Teilen Wüste, es herrscht Wasser- und Nahrungsmangel, ein Krieg hat viele Menschenleben gefordert, das Land in den Ruin getrieben. Nach dem großen Krieg, der nicht näher beschrieben wird, wird das Land in 13 Distrikte aufgeteilt und in Panem umbenannt. Distrikt 13 wird als Bestrafungsaktion für Rebellenübergriffe mit Atomwaffen in einen unbewohnbaren Zustand versetzt, das ist auch weiterhin der Ort der Aufständischen. In der weiteren Handlung ist es auch der Distrikt 13 in dem sich die Aufständischen wieder sammeln. Als ein Mittel der Repression, Disziplinierung und Unterdrückung werden auch jedes Jahr die sogenannten Hungerspiele durchgeführt. Ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt werden ausgelost, sie müssen sich in der Arena bekämpfen, so lange bis nur noch ein Tribut lebt. Wobei die Ausgangsbedingungen schon ungerecht sind, da Tribute aus reichen Bezirken (Distrikt 1,2) über eine wesentlich bessere Gesundheit, Training und Unterstützung verfügen. Das ganze ist ein Medienspektakel, das in alle Distrikte übertragen wird. Es besteht die Pflicht den Spielen zuzuschauen. In den ersten beiden Bänden ist es Katniss, die die Hauptrolle spielt.

Im Prequel ist die Situation in Panem noch etwas anders. Alle Distrikte, auch das Kapitol selbst, leiden noch unter den Katastrophen. Es gibt noch keine priviligierten Distrikte. Viele der früher wohlhabenden Familien, wie z.B. die Familie Snow, hat den Krieg mit großen Verlusten bezahlt. Die Spiele selbst werden noch sehr archaisch ausgetragen. Die Tribute sind im Zoo im Affenkäfig untergebracht, sie müssen sich gegen Ratten wehren und kommen schon durch Hunger und Krankheiten geschwächt und dezimiert in die Arena. Die Arena selbst ist auch nicht mit den technischen Finessen ausgestattet, die man von späteren Hungerspielen kennt. Allein die Drohnen, die Verpflegung bringen, existieren, sie haben in diesen Spielen ihren ersten Einsatz. Das Medienspektakel und die Sensationslust der Menschen aus den priviligierten Kreisen die Spiele zu verfolgen ist noch kein Thema. Die Mentoren sind Absolventen des letzten Jahrgangs einer höheren Schule, sie sollen damit für ihr weiteres Erwachsenenleben gestählt werden, unter ihnen sind auch Coriolanus Snow und Sejanus Plinth.

Zu den Helden: die Helden sind diesmal die Mentoren Coriolanus Snow und sein im Laufe der Ereignisse zum Freund werdende Sejanus Plinth. Der Fokus richtet sich noch mehr als bei den schon erschienen Bänden auf den Irrsinns der Hungerspiele, des Tötens Unschuldiger auf Anordnung, Kinder aus den Distrikten, um die Menschen dort zu brechen, ihnen ihre Ohnmacht vor Augen zu führen. Coriolanus handelt vor allem aus Eigennutz: seine Familie ist arm, er bzw. sein Tribut muss gewinnen damit er ein Stipendium für die Universität bekommt. Coriolanus ist weitestgehend loyal, unterstützt die Spiele, auch wenn er aus humanitären Gründen das eine oder andere moniert und Kritik an einzelnen Personen, nicht aber am System übt. Sejanus ist sensibler, zum Leidwesen seines Vaters, und kritischer. Er wollte kein Mentor werden, doch seine Familie, bzw. sein Vater, kämpft um Anerkennung und Aufnahme in die hohen Kreise der Gesellschaft. Die Plinths kommen ursprünglich aus dem Distrikt 2 sind Kriegsgewinnler, wollen ihrem Sohn eine gute Zukunft erkaufen.

Weibliche Heldin ist Lucy. Tribut aus Bezirk 12, die Coriolanus zugeteilt wird. Beide verbindet der Wille zum Sieg. Für Lucy geht es ums nackte Überleben, für Coriolanus in erster Linie um seine Karriere. Die Gefühle für Lucy sind schüchterne Annäherungsversuche eines Teenagers, Gefühle als Folge von Selbsttäuschung und Schuldgefühlen. Bei Lucy auch eher situationsbedingte Anziehung. Den Höhepunkt erfährt die Geschichte, als beide Freunde für kurze Zeit in die Position ihrer Tribute versetzt werden, sie landen in der Arena, der eine aus Verzweiflung, der andere um ihn zu retten. Dr. Gaul, die wissenschaftliche, sadistische Leiterin der Spiele, formuliert das, was die Freunde in ihrem Denken und Handeln lenken wird: "Was passiert in der Arena? Das ist der Mensch, aufs Wesentliche reduziert. Die Tribute, aber auch Sie. Wie flüchtig die Zivilisation doch ist. All ihre guten Manieren, Erziehung, familiärer Hintergrund, alles, worauf Sie stolz sind - im Bruchteil einer Sekunde fortgewischt, und übrig bleibt nur, was Sie eigentlich sind. Ein Junge mit einem Stück Holz, der einen anderen Jungen totschlägt. So ist der Mensch in seinem Naturzustand." um im weiteren über Herrschaft, Gesetz, Chaos, Rebellion und Gesellschaftsvertrag zu referieren.(S. 288ff). Welche Art von Übereinkunft ist nötig, wenn wir in Frieden leben wollen? Wie muss der Gesellschaftsvertrag beschaffen sein, damit wir überleben?"... Diskussionsstoff genug. Allein für diese Gedankenanstösse, die sich durchs ganze Buch ziehen und exemplarisch die beiden jungen Freunde immer wieder an ihre Grenzen bringen, bin ich dankbar und deshalb auch dicke Empfehlung für alle (jungen) Erwachsenen. Mir war es dann irgendwann zu dick aufgetragen, außerdem wurde in den vergangenen 3 Bänden vieles schon abgearbeitet, aber ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe. Dankenswerterweise ist diesesmal auch ein Roman entstanden den alle Geschlechter gleichermaßen in den Bann ziehen dürfte.

Was allerdings auch Kritik hervorruft. Denn die ersten drei Bände haben von der starken Persönlichkeit Katnees Everdeen gelebt. Sowohl in den Büchern als auch in den Filmen, was selten vorkommt, ist diese weibliche Heldin allen sehr gut im Gedächtnis geblieben. Das vorliegende Buch ist eben keine Fortsetzung, sondern eine Geschichte, die im selben Terrain spielt. Gut aber eben anders!

Richtig gut auch das Ende der Freundschaften.

Oetinger Verlag, 592 S., gebunden EUR 26.--

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