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Bus 57

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Bus 57


von Dashka Slater

Roman nach einer wahren Begebenheit!

Er hat die Ausgrenzung und Verfolgung von (jungen) Menschen zum Thema die gendeerqueer sind, die weder männlich noch weiblich sind, sich nicht im binären Genderkategorien-System finden.

Das Buch ist aus zwei Blickwinkeln geschrieben: aus der Sicht von Sasha, die offen ihr Geschlecht lebt und viel Zuspruch erlebt und auch viel für andere A-Gender-Menschen durchsetzt. Sie lebt offen, dies wird begünstigt durch den Kokon, in dem sie lebt. In einer aufgeklärten, liberalen für alle offene Wohn- und Schullandschaft, zur Familie und Freunden zählen Menschen aus der LGBTQ-Community ganz selbstverständlich.

Richard dagegen ist Afroamerikaner, stammt aus einem bildungsfernen Umfeld, seine Freunde und er stehen auf Kriegsfuss mit Eigentumsrechten und der Polizei, für die schwarze männliche Jugendliche sowieso potentielle Täter sind, der Grad zwischen Spass, Übermut und Kleinkriminalistät ist fließend.

Vor diesem Hintergrund muss man die Geschehnisse, ohne sie zu beschönigen, betrachten.

Beide Jugendliche haben eigentliche keine Berührungspunkte, sie leben in ganz verschiedenen sozialen Räumen, ihr einziger Berührungspunkt ist, dass beide am selben Tag, zur selben Zeit in dem selben Bus, dem Bus 57, der dem Roman den Titel gibt, saßen.

Richard zusammen mit seinen Kumpeln, Sasha schlafend und wie immer mit Rock und Hose bekleidet, ihr Wohlfühloutfit und persönliches Statement. Was als Albernheit beginnt und durch Gruppendruck bestärkt wird, hat fatale Konsequenzen. Richard hält der schlafenden Sasha ein Feuerzeug an den Rock, dieser brennt sofort lichterloh und fügt Sasha schlimme Verbrennung zu. Soweit die Fakten.

Es folgt eine spannende Auseinandersetzung aus unterschiedlichen Blickwinkeln über Motiv, Hintergrund, Bewusstsein, Verantwortung, Jugendstrafrecht, Schuld und Auseinandersetzung mit dieser.

Zum konkreten Fall:

Im Februar 2015 erschien im New York Times Magazine unter der Überschrift "The Fire on the 57 Bus" ein längerer Artikel der Journalistin Dashka Slater über einen Vorfall, der sich eineinhalb Jahre zuvor in Oakland ereignet hatte. Ein afroafrikanischer Jugendlicher setzt die Kleidung eines gleichaltrigen Teenagers in Brand, dier genderqueer ist. Sashas und Richards Schicksal ließ Dashka Slater nicht mehr los sodass aus dem Artikel dieses Buch enstanden ist. Sie erzählt darin von Sashas ungewöhnlicher fantasievoller Kindheit, dem Coming-out, dem Kampf um Sensibilität für die Belange von genderqueeren Menschen. Genauso sorgfältig arbeitet sie Richards Geschichte auf, läßt Leser*innen an dessen Leben und Vorgeschichte teilhaben und wirft einen Blick auf ein Justizsystem, das afroamerikanische Jugendliche anders zu behandeln scheint als weiße.
Noch zur Sprache. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, aber konsequent, die Passagen zu lesen, in denen geschlechterneutrale Bezeichnungen wie sie für genderqueere Menschen richtig sind verwendet werden. Personalpronom ist: "Sier", Posessivpronom ist: "siere", ...da stolpert man beim Lesen am Anfang schon.

Wichtiges Thema. Sehr empfohlen! Wäre tolle Diskussionsgrundlage für den Schulunterricht!

Loewe Verlag, 391 S., EUR 18,95

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