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Matti und Sami

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Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums

von Salah Naoura

Endlich mal wieder ein Buch das sich um das Ausufern von Lügengeschichten dreht und das wirklich Spaß macht zu Lesen. Das Buch kann man eigentlich nur in einem Zug durchlesen!
Die letzte Lügengeschichte dieser Art war "Mein kleiner Pistosaurier", leider ist dieses Buch nicht mehr erhältlich. Doch Matti und Sami ist mehr als ein würdiger Nachfolger, auch wenn man die finnische Seele nicht kennt.
Dürfen Erwachsene Kinder anlügen? Auch das ist Inhalt dieser Geschichte.
Es beginnt ganz harmlos mit einem Aprilscherz. In der Zeitung wird am 1. April davon berichtet, dass ein Delfin aus Platzgründen aus dem Zoo in den Ententeich der Stadt in der Matti und Sami, zwei Brüder, 11 und 5 Jahre alt, wohnen, umgesiedelt werden soll. Matti und Sami machen sich mit ihrer Mutter auf, das Ereignis mitzuerleben. Damit beginnt die erste Lüge. Nachher meinen alle Erwachsenen, sie hätten die Geschichte von Anfang an nicht geglaubt. Die zweite Lüge deckt Matti auf, als er und sein Bruder eine Tiersendung anschauen, an deren Ende für notleidende Tiere zur Spende aufgerufen wird. Matti erzählt seinem Bruder, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht, ihm hätten die Eltern, als er in seinem Alter war, erzählt, dass sie dem Spendenaufruf regelmäßig folgen würden. Als er von seiner Mutter erfährt, dass diese ihm das immer nur erzählt hat, um ihn zu beruhigen, ist die zweite Lüge entlarvt. Kurzerhand plündern die beiden Brüder den Notgroschen der Eltern und spenden das Geld.
Doch dann kommt die große Lüge, die weitreichende Folgen nach sich zieht. Der Onkel von Matti und Sami, Bruder ihres Vaters aus Finnland, kommt zu Besuch. Zwischen beiden Brüdern herrscht schon seit ihrer Kindheit ein steter Konkurrenzkampf. Als der Onkel damit angibt, jetzt Chef einer Holzfabrik zu sein und bald in das große Haupthaus umziehen wird, kontert Matti und Samis Vater damit, dass er einen tollen Job in der Schweiz angeboten bekommen hat, dass sein großes Talent Handyspiele zu erfinden erkannt wurde, und sie demnächst in ein großes Haus am See übersiedeln werden.
Matti nimmt dies alles für bare Münze und erzählt es in der Schule. Als sich herausstellt, dass sein Vater nur seinen Bruder ausstechen wollte, und dass an der Geschichte nichts, aber auch gar nichts stimmt, wird Matti und auch seine Mutter richtig sauer. Sie werden aktiv und schmieden einen Plan. Sie werden jetzt für das Haus am See sorgen. Der Weg dahin: ein Los für eine Hauslotterie. Da Matti schon immer mal einen Sommer in Finnland verbringen wollte, denn nicht nur sein Vater, sondern auch die Mutter seines besten Freundes kommen aus Finnland, soll es ein Haus in Finnland sein.
Um wenigstens einen Urlaub in Finnland verbringen zu können, ist ihm fast jedes Mittel recht. Als er mit seinem Freund zusammen eine Anzeige entdeckt, dass für ein Haus in Finnland ein Haushüter für die Ferienzeit des Eigentümers gesucht wird, und gleichzeitig ein Werbezettel mit "Sie haben gewonnen" ins Haus flattert, entsteht die Idee. einfach beides miteinander zu koppeln, um dann seiner Mutter die frohe Nachricht überbringen zu können: "Wir haben ein Haus in Finnland gewonnen".
Seine Eltern glauben ihm diese Notlüge nur zu gern. Doch als sie dann Nägel mit Köpfen machen, Mattis Vater seinen Job kündigt, Mattis Mutter ihren Job kündigt, sie gemeinsam die Wohnung kündigen, das Auto verkaufen und Mattis Vater sämtliche Möbel zu Kleinholz verarbeitet, da man ja ein volleingerichtetes Haus gewonnen hat, wird Matti zusehends mulmig. Doch er weiß nicht, wie er die Lawine aufhalten kann. Einmal ins Rollen gebracht....
In Finnland angekommen fliegt der ganz Schwindel natürlich auf. Aber nicht nur der. Denn als sie Mattis Onkel besuchen wird klar, auch der hat mit seinem beruflichen Aufstieg nur angegeben. Er wohnt weiter als Holzarbeiter in einer kleinen Hütte. Es kommt wie es kommen muss, die Brüder versöhnen sich und müssen sich eingestehen, dass sie mit ihren Aufschneidereien und Lügen nicht ganz unschuldig an der ganzen verfahrenen Situation sind. Man fragt sich an dieser Stelle, wie kann das Buch jetzt enden?
So skurril und unglaublich die Lügengeschichten, so unglaublich auch deren Ende. Die Familie bleibt in Finnland, Mattis Vater bekommt einen Job bei Nokia als Spieleentwickler und noch eins obendrauf: sie gewinnen tatsächlich in der Hauslotterie ein Haus in Finnland. Na wenn das nicht alles erstunken und erlogen ist!
Fazit:
Das Buch bereitet viel Vergnügen beim Lesen. Der Erzählstil ist pointiert, die Charakteren, vor allem die finnischen, köstlich beschrieben bis hin zur Mimik. Die "Moral von der Geschicht..." ist ständig präsent und offensichtlich, wirkt aber dadurch, dass alles so überzogen wird, nicht aufgestülpt.

Viel Vergnügen beim Lesen!
Beltz & Gelberg, 142S., EUR 6,95

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