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Frauenromane

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Der Zopf


von Laetitia Colombani

"Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente - dieselbe Sehnsucht nach Freiheit -" Wen diese Titelunterschrift lockt, dem bzw. der wird dieser Roman gefallen.

Für mich war alles von Anfang an zu inszeniert, zu vorhersehbar, eher als Vorlage für einen Film - dann könnte den Charakteren auch mehr Raum für Tiefe und Glaubwürdigkeit einräumen. Der Plot ist nicht schlecht, aber mit den gennanten Einschränkungen. Wie ich jetzt gelesen habe, sind tatsächlich die Filmrechte schon vergeben!

Zum Inhalt:

Drei Frauen, drei Länder, drei sehr unterschiedliche Frauenschicksale. Smita lebt in Indien, sie gehört der rechtlosen Kaste der Unberührbaren an. Giulis let in Sizilien, sie ist Tochter eines Fabrikanten (Perücken). Sarah ist erfolgreiche Anwältin und Partnerin einer großen Kanzlei in Montreal. Die drei unterschiedlichen Biografien haben einen gemeinsamen, vorhersehbaren Berührungspunkt.
Trotz meiner Kritik als "mittel"anspruchsvolle Frauenliteratur durchaus möglich. Schönes Cover! Oder auf Film warten.

S. Fischerverlage, 283 S., gebunden EUR 20.-

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Die Frau, die liebte

 

von Janet Lewis

Ein schmales Buch, doch der Umfang täuscht!

Die Autorin, Janet Lewis, hat von 1899-1998 gelebt. Dem Roman (im Original "The wife of Martin Guerre") liegt eine wahre historische Begebenheit zugrunde, die sich Mitte des 16. Jahrhunderts zugetragen hat. Die Autorin ist nicht die einzige, die sich dieses historischen Stoffes bedient hat. Die bekannteste Verarbeitung des Stoffes ist die Verfilmung "Sommersby" auch wenn dort die Handlung in die USA und die Zeit des Bürgerkrieges dort verlegt wurde.

Im Roman fasziniert, wie sich die Janet Lewis in die (katholische) Denkweise der Protagonistin hineinversetzt. Dass die Pflicht Rechenschaft vor Gott ablegen zu müssen über das Tund und das Leben entscheidet wider des eigenen Gefühls und der Eigenverantwortung für das eigene Glück und das Leben....

Mit einem Nachwort von Judith Hermann

dtv, Edition Kopfkino, 133 S., gebunden , EUR 18.-

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Mittagsstunde


von Dörte Hansen

Nach "Das alte Land" endlich - der neue Roman von Dörte Hansen!

Verlagstext: (weiteres zum Titel demnächst hier)

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.


Penguin, Hardcover, 320 S., EUR 22.--

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Jahre später


von Angelika Klüssendorf

Nominiert für den Deutschen Buchpreis - Longlist

Der 3. Band über das Leben einer jungen starken Frau. Gut, wie auch die ersten beiden Bände.Es wird das Leben von April erzählt, zuerst Mädchen, dann junge Frau, die zwischen Unangepasstheit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung und dem Wunsch angenommen zu werden und ein Mindestmaß an Sicherheit und Verlässlichkeit im Leben zu haben, zerrieben wird. Die ersten beiden Bände sind auch ein Stück Zeitgeschichte zw. Ost und Westdeutschland.

In den Vorgängerbänden "Das Mädchen" und "April" – beide auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis – beschreibt Angelika Klüssendorf die Geschichte des jugen Mädchens, aufgewachsen unter schwierigen Umständen. "Jahre später" erzählt nun von der intensivsten, aber auch zerstörerischsten Beziehung des erwachsenen Mädchens April – ihrer Ehe.

Inhalt Nominierungstext:
Auf einer Lesung lernt April einen Mann kennen, der ihr zunächst durch seine dreist raumnehmende Art auffällt. Es ist nicht Sympathie, die sie zusammenführt. Es ist eine andere Form der Anziehung: Intensität. Eine schicksalhafte Begegnung. Denn Ludwig, der Chirurg aus Hamburg, wird für April zum Lebensmenschen werden – und April für ihn. Im Guten wie im Schlechten. Angelika Klüssendorf erzählt, wie eine Liebe zwischen zwei radikalen Einzelgängern entsteht, die beide mit ihren eigenen Mitteln versuchen, ins Soziale zu finden und zu sich selbst. Es ist eine Geschichte von Öffnungsbereitschaft, glühender Gemeinsamkeit, aber auch den unaufhaltsamen Fliehkräften, die das Paar auseinandertreiben.

Ohne jemals Partei zu ergreifen oder seine Figuren zu denunzieren, entwickelt "Jahre später" die Anatomie einer toxischen Partnerschaft. Als Leser wünscht man bis zuletzt, dass es gelingen möge, und zugleich, dass es endlich ein Ende hat mit den beiden. Messerscharfe Prosa, die keinen Moment lang unberührt lässt.
Fazit: Auch für Leserinnen, die eigentlich keine Beziehungsdramen mögen!

Kiepenheuer & Witsch, 157 S., EUR 17.--

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Sag den Wölfen, ich bin zu Hause


von Carol Rifka Brund


Ein poetischer Roman über Familie und Freundschaft. Sehr beeindruckend und noch lange nachwirkend, diese Geschichte der Freundschaft wider alle Vorurteile gegenüber gleichgeschlechtlich lebenden Paaren. Dabei meint es die Mutter doch nur gut, in dem sie der Tochter verschweigt, dass ihr Bruder mit einem Mann zusammenlebt, und dass er an einer tödlichen Krankheit leidet.
Doch so entblättert June langsam un für sich selbst wie stark Liebe sein kann, egal zwischen wem, und dass man diese auch teilen kann. Das klingt jetzt schwülstig, aber ich empfand es beim Lesen nicht so, die Figuren und deren Handlungsweisen empfand ich als authentisch.


Inhalt, Verlagstext:

New York, 1987: Eigentlich gibt es nur einen Menschen, der June Elbus je verstanden hat, und das ist ihr Onkel Finn Weiss, ein berühmter Maler. Als Finn viel zu jung an einer Krankheit stirbt, deren Namen ihre Mutter kaum auszusprechen wagt, steht in Junes Leben kein Stein mehr auf dem anderen. Auf Finns Beerdigung bemerkt June einen scheuen jungen Mann, und ein paar Tage später bekommt sie ein Päckchen. Darin befindet sich die Teekanne aus Finns Apartment – und eine Nachricht von Toby, dem Fremden. Wer ist dieser Mann, der behauptet, Finn ebenso gut zu kennen wie June selbst? Zunächst ist June misstrauisch, doch dann beginnt sie sich heimlich mit Toby zu treffen, und sie erfährt, dass es gegen Trauer ein Heilmittel gibt: Freundschaft und Zusammenhalt.

Eisele Verlag, 448 S., gebunden EUR 22.-

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Betrunkene Bäume


von Ada Dorian

Plots wie diese gibt es häufiger: junge Ausreißerin und Rentner werden auf Umwegen Freunde. Doch der Autorin gelingt es für Überraschungen zu sorgen. Sie entwirft glaubwürdige Charaktere, die einem ans Herz wachsen. Insbesondere der Rentner Erich. Klar, schon ein wenig Rührselig - darf es aber auch mal sein.

Klappentext:

Erich ist über achtzig und verliert Stück für Stück seine Unabhängigkeit. Außerdem trauert er um die Liebe seines Lebens. Als junger Forscher hatte Erich eine Expedition in die Taiga unternommen. In jener Zeit hat er Schuld auf sich geladen, die bis heute nachwirkt und Erich vereinsamen lässt. Dann jedoch tritt Katharina in sein Leben. Sie ist von zu Hause ausgerissen, als ihr Vater die Familie verlassen hat.

Berührend und poetisch beschreibt Ada Dorian die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die um Schuld und Verrat, um Heimat und Entwurzelung kreist.

Ullstein, 268 S., Cover mit Prägedruck, Hardcover EUR 18,-- TB EUR 11.--

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